EMA-Gespräche
Interkulturelle Sensibilität und Verhaltensregeln bei Offiziellen Gesprächen mit arabischen Entscheidungsträgern
Hamburg, den 14. September 2009
Aufgrund der scheinbar vollkommen unterschiedlichen Kultur und Sprache der europäischen und arabischen Staaten scheint es nicht verwunderlich, dass bei der Kommunikation zwischen Europäern und Arabern große Schwierigkeiten auftreten. Doch ist dies wirklich der Grund für die Verständigungsprobleme beider Kulturen?
In seinem Vortrag machte Prof. Dr. Khella deutlich, dass die angeblichen Unterschiede zwischen den Kulturen und Sprachen nicht in dem Ausmaß bestehen, wie sie überwiegend dargestellt und empfunden werden. Stattdessen sind sie zum Großteil Konstruktionen von Medien und Bildungseinrichtungen. Fächer wie Orientalistik täuschen vor, die arabische Welt sei eine völlig fremde und in der Geschichtswissenschaft findet eine geographische Abgrenzung in Richtung Osten statt, die es so nie gegeben hat. Dadurch wird die eigentlich große Beeinflussung und Nähe beider Kulturen verschleiert.
Auch die Reproduktion von Vorurteilen, z.B. in Übersetzungen literarischer Schriften, trägt zu einer extremen Abgrenzung von der jeweils anderen Kultur bei und verhindert so eine Annäherung beider Völker. Dadurch können Vorurteile nicht abgebaut werden, sondern verstärken sich noch. Es ist daher nicht verwunderlich, dass bei Kommunikation zwischen beiden Kulturen Verständigungsprobleme auftauchen, die Vorurteilen und falschen Vorstellungen geschuldet sind.
Der geschlossene hermeneutische Zirkel verdeutlicht, dass durch unreflektierte Wahrnehmung Vorurteile bestätigt werden, da Eindrücke, die eigentlich zu einem Abbau falscher Vorstellungen führen müssten, verdrängt werden. Um Vorurteile abzubauen, muss der hermeneutische Zirkel geöffnet werden, d.h. es muss ständig in Frage gestellt werden, ob die aufgenommenen Informationen falsche Vorstellungen bestätigen oder nicht. Ziel muss es sein, bei jeder Form von Kommunikation das eigene Welt- und Menschenbild zu reflektieren, um Informationen – mehr oder weniger – neutral und ohne unbewusste Bewertung aufnehmen zu können. Gleiches gilt auch für die Wissenschaft, die die eigenen Grundlagen ständig reflektieren muss, um ihre Ergebnisse neutral bewerten zu können.
Daher ist die Reflektion über das eigene Welt- und Menschenbild notwendige Voraussetzung dafür, um durch den Abbau von Vorurteilen auch die Kommunikationsschwierigkeiten bei offiziellen Gesprächen mit arabischen Entscheidungsträgern minimieren zu können.
Der Vortrag zu diesem Thema wurde von Professor Karam Khella gehalten. In Deutschland lehrte Karam Khella in Marburg, Stuttgart, Bremen und Hamburg, darüber hinaus an zahlreichen anderen europäischen und außereuropäischen Universitäten und vertrat dabei eine Vielzahl von Unterrichtsfächern, insbesondere Philosophie, Geschichte, Wissenschaftstheorie und –kritik. Professor Khella ist Urheber u.a. der ‚Universalen Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie‘. Durch die Übersetzung seiner Arbeiten in verschiedene Sprachen erlangte der ägyptische Wissenschaftler internationale Anerkennung.



