EMA-Gespräche
"Weisse Sklavin? Zum Islam-Bild in Literatur und Oper von Cervantes bis Mozart"
Hamburg, 3. August 2009
Edward Said entschlüsselte in seinem Werk Orientalism (1978) den Orient als von europäischer Literatur und Wissenschaft entworfenen, imaginären Raum. Seine Herangehensweise „Weltlichkeit“ forderte die soziale und historische Kontextualisierung von Texten ein. In Anlehnung an das Saidsche und in Verbindung mit langzeitgeschichtlichem Herangehen wird die Ausgestaltung des Genre „weisse Sklavin“, seit den frühen Werken von Cervantes über Mozart in Literatur und Oper bis in die Medien der Gegenwart hinterfragt. Figuriert die „weisse Sklavin“ für einen europäischen Begriff von Vernunft, der sich nur in Abgrenzung gegenüber dem Orient selbst finden konnte?
Eingebettet in den historischen Kontext zeigte Dr. Quintern in seinem Vortrag anhand des Motivs der „weissen Sklavin“ wie sich die Ausprägung des Orientbildes in Europa auch in Kunst und Literatur spiegelte. In der Betrachtung von Dr. Quintern wie auch der anschließenden Diskussion wurden der im 18. Jahrhundert merkbare Bruch, die Vorbereitung des Kolonialismus wie auch die Problematik der Sklaverei im Orient und Okzident in vergleichender Analyse thematisiert.
Der Vortrag zu diesem Thema wurde vom Diplompolitologen und Historiker Dr. Detlev Quintern gehalten. Dr. Quintern lehrt an Universität und Hochschule Bremen Kulturgeschichte, Ideengeschichte der Politik und Internationale Organisationen.



