EMA-Gespräche
Frieden am Horn von Afrika
Am Montag, dem 21. Juni 2010, veranstaltete die Euro-Mediterranean Association for Cooperation and Development e.V. (EMA) in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Hamburg eine Podiumsdiskussion zu dem Thema das Horn von Afrika und die Aussichten für Frieden in dieser Region. Aufgrund seiner geografischen Nähe zu den Ländern der EMA-Region, als auch wegen der kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen mit der arabischen Halbinsel, sind die Entwicklungen am Horn von Afrika auch für die arabische Welt von Bedeutung. Seine Lage am Roten Meer macht es zudem nicht unerheblich für Europa und die westliche Welt.
Um Friedensperspektiven am Horn von Afrika zu diskutieren, hat die EMA hochkarätige Referenten und eine fachkundige Moderatorin eingeladen. Zu Beginn gab die Moderatorin Kerstin Petretto, wissenschaftliche Mitarbeiterin des IFSH, zunächst einen allgemeinen Überblick über die Thematik. In ihrem Vorwort sprach sie über die positive Entwicklung am Horn von Afrika zu Beginn des letzten Jahrzehnts und von den dramatischen Entwicklungen der letzten Jahre, die dazu im Widerspruch zu stehen scheinen. Zudem wurde die Region Verständnis halber eingegrenzt. Zu der klassischen Definition des Horns zählen Somalia, Äthiopien, Dschibuti und seit seiner Unabhängigkeit Eritrea. Aufgrund von wechselseitig verstrickten grenzüberschreitenden Konflikten, werden bisweilen auch Kenia, Uganda und Sudan zum Horn gezählt.

Den Anfang der Vorträge machte S.E. Mohammed L. Al-Eryani, Botschafter der Republik Jemen. In seinem englischen Vortrag erläuterte der Botschafter die Interessen des Jemens, als direkter Nachbar der Region, an einer Stabilisierung des Horns von Afrika. Somalia steht im Zentrum der jemenitischen Befürchtungen, da die beiden Länder nur durch den Golf von Aden getrennt werden. Daher engagiert sich Jemen seit 1996 in somalischen Friedensprozessen. Dieses Engagement gründet sich auf ökonomische und sicherheitspolitische Umstände, die sich aus der Situation in Somalia ergeben. Zum einen leben in Jemen 750.000 somalische Flüchtlinge, von denen allein im Jahr 2009 40.000 über den Golf von Aden setzten. Darüber hinaus geraten durch Piraterie, Waffenhandel und Terrorismus die jemenitischen Küsten und die heimische Fischereiindustrie in Gefahr. Schließlich kommt es durch die Piraterie auch zu einer massiven Präsenz ausländischer Truppen vor den Küsten Jemens und Somalias.
Als Experte zur Piraterieprävention war Kapitänleutnant d.R. Axel Schult geladen. Er stellte das deutsche Konzept der Piraterie-Prävention im Rahmen des EU NAVFOR Einsatzes Operation ATALANTA am Horn von Afrika vor. In einem Einsatzgebiet, das die achtzehnfache Größe der Bundesrepublik umfasst, versuchen internationale Truppen von zwanzig Nationen Piraterie zu verhindern und die Schiffe des World Food Program und der AMISOM vor Angriffen zu schützen. Herr Schult ging zudem auf das Schiffsmeldewesen MSCHOA ein, welches Handelsschiffe beim sicheren Passieren des Golfs von Aden unterstützt und ihnen Handlungsempfehlungen gibt.
Anschließend sprach S.E. Claude Mukadi, Prinz von Benin, über friedliche Konfliktlösungsstrategien und seine Friedensinitiative „Friedensglocken für Afrika“. Auch wenn in seinem Vortrag das Horn von Afrika nur am Rande erwähnt wurde, warb S.E. Mukadi für politisches Engagement und soziale Partnerschaften. Zudem sprach er von dem gleichzeitigen Segen und Fluch, den Rohstoffe in Afrika darstellen, aufgrund des Gegensatzes des natürlichen Reichtums und der ökonomischen Ausbeutung. Die gleichen Probleme kennt auch das Horn von Afrika.
Im Anschluss an die Vorträge folgte eine lebhafte Diskussion. Teilweise kamen kritische Ansichten zu der Politik der regionalen Staaten auf, beispielsweise Äthiopiens Invasion Somalias 2006. Diese gab es auch mit Blick auf die Politik westlicher Staaten gegenüber der Region, die unter anderem als unausgewogen empfunden wurde. Zudem kam die Frage nach der militärischen Sicherung von Handelsrouten auf. Das EMA-Gespräch hat gezeigt, dass die Debatte zu dem Thema, die gemessen an dem deutschen Engagement in der Region sehr notwendig ist, gerade erst beginnt.
Von Johannes Schmidt
Es ist der EMA ein Anliegen, kritische Themen anzusprechen und in konstruktiven Diskussionen zu beleuchten. Die Vorträge sowie die Diskussionen spiegeln nicht automatisch die Meinung der EMA wider.



