Hamburger Kulturgespräche

Das EMA-Magazin Mediterranes - Eine Brücke über das Mittelmeer
 

Am 26. Januar 2011 führte die EMA e.V. anlässlich des Erscheinens der vierten Ausgabe des EMA-Magazins Mediterranes einen Diskussionsabend in Kooperation mit dem Goethe-Institut Hamburg durch. Das hochkarätig besetzte Podium diskutierte unter der Überschrift „Das EMA-Magazin Mediterranes – Eine Brücke über das Mittelmeer“ kritisch und konstruktiv die bisherige Arbeit, Themen, Aufgaben und zukünftige Perspektiven des Magazins Mediterranes.
 
Begrüßung
 
In seiner Begrüßung dankte Prof. Dr. Horst H. Siedentopf, Präsident der EMA e.V., dem Goethe-Institut für die gute Kooperation mit der EMA bei der Durchführung der Hamburger Kulturgespräche. Nach der anschließenden Vorstellung der Podiumsdiskutanten, verwies Prof. Siedentopf auf die Konzeption der EMA als ein Länderverein, der die Kooperation zwischen Deutschland und dem Gebiet in Nord-Afrika und dem Nahen Osten abdeckt und voranbringen möchte und dabei den Fokus auf die wirtschaftliche Kooperation legt. Neben diesem wirtschaftlichen Schwerpunkt wolle die EMA e.V. sich jedoch auch verstärkt und mehr als andere um Kooperationsmöglichkeiten auch auf den Gebieten der Kultur und der Wissenschaften bemühen. Ziel sei es, eine Art Symbiose aus diesen Feldern zu schaffen, um die ganzheitliche Verwobenheit dieser Gebiete in den Länderkooperationen zu berücksichtigen. Neben dem Ausbau und dem Engagement für universitäre Zusammenarbeit sei dabei, so Prof. Siedentopf, das Magazin Mediterranes ein wesentlicher Bestandteil dieser Bemühungen.
 
Die anschließende Moderation übernahm Caroline Schmidt-Gross von der Akademie für Publizistik.
 
Brücke über das Mittelmeer – Europäer und Araber suchen einen gemeinsamen Weg für Entwicklung und Aufbau
Prof. Dr. Udo Steinbach (Nah- und Mittelost Experte)
 
Prof. Dr. Udo Steinbach skizzierte die Zielsetzung seines Beitrages, eine Brücke zwischen der Zeitschrift Mediterranes,den gegenwärtigen Entwicklungen in der Region und Europa zu schlagen. Den Brückenschlag zwischen Europa und den südlichen Mittelmeeranrainern machte Professor Steinbach als „den Geist des Magazins“ aus. Prof. Steinbach verwies auf das erste Heft, das sich der Union für das Mittelmeer zuwendet, und analysierte, Europa sei bislang hinter den Möglichkeiten zur Kommunikation mit den südlichen Mittelmeeranrainern zurückgeblieben, und auch die seit 2008 bestehende MU sei bisher nicht zur Geltung gekommen, und zwar aufgrund der europäischen Furcht vor Islamisten, vor der Konkurrenz von Produkten aus den südlichen Mittelmeerländern auf dem europäischen Markt und der Furcht vor Migration nach Europa. Dies alles habe zu einer defensiven Mittelmeerpolitik der Europäer geführt, die auch die Politik der MU dominiere. Es sei indes für beide Seiten essentiell, zu einer „Vision von der Mittelmeerkooperation“ zurückzukommen und auch global würde die Stellung Europas durch die Art und Weise bestimmt, wie die Beziehungen zu den übrigen Mittelmeeranrainern gestaltet würde.
 
Es gelte, aus einer „Scheinpartnerschaft und Ein-Igelung“, zu einer tatsächlichen Partnerschaft zu kommen, da ansonsten Europa von anderen „Playern“ überholt würde. Der erste Schritt hierzu wäre die Schaffung einer gemeinsamen Wertebasis und der Wiederherstellung der europäischen Glaubwürdigkeit durch eine Kongruenz zwischen Aussagen und Handlungen. Dazu, so Steinbach, gehöre vor allem Mut zu fassen und ein Angebot zu formulieren an die arabischen Staaten. Hier sieht er den Schnittpunkt zum EMA-Magazin Mediterranes, das mit den bisher gewählten Themen etwa zur Wasserthematik oder auch zum Wissenstransfer und schließlich zum Thema Stadtentwicklung im vierten Heft Perspektiven für solche Angebote der Zusammenarbeit aufgezeigt habe, die im gegenseitigen Interesse der beteiligten Länder seien.
 
Zugleich sei es auch an Europa, seinen nach Innen gerichteten Blick, der sich allzu häufig in der Beschwörung und Schaffung von Feindbildern äußere, aufzugeben und eine vorurteilsfreie Politik und Sicht auf das Mittelmeer und die dort lebenden und von dort kommenden Menschen zu übernehmen, auch um sicher zu stellen, dass sich hier aufgewachsene und ausgebildete junge Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland einbringen mögen und ihre Zukunft in Deutschland und Europa sehen.
 
Unser Bild vom Orient – der Nahe Osten und der Maghreb in unseren Medien
Daniel Gerlach (Herausgeber zenith)
 
Der Herausgeber des Magazins „zenith – Zeitschrift für den Orient“, Daniel Gerlach, verwies in seinem Redebeitrag darauf, dass in den vergangenen Jahren in Deutschland die journalistische Informationsdichte über die EMA-Länder stark zugenommen habe, diese jedoch eine klare Diskrepanz aufweise, wenn es um die Analyse der Informationen gehe. Zwar säßen in den meisten großen Redaktionen der Tages- und Wochenzeitungen mittlerweile auch regionalwissenschaftlich ausgebildete Redakteure, die einen großen Beitrag zur Analyse leisteten. Dennoch käme es aber immer noch täglich zu eindeutigen Fehlanalysen. An dieser Stelle sei es die Aufgabe von Fachmagazinen wie zenith und Mediterranes Hintergrundanalysen anzubieten und langfristige Entwicklungen im Blick zu behalten.
 
Einen klaren Unterschied zwischen den beiden Magazinen sieht Gerlach in der Ausrichtung von Mediterranes als ein Magazin, welches vor allem die Darbietung wissenschaftlicher Analysen und Hintergrundinformationen anvisiere, während zenith auch „kritischen und zum Teil auch investigativen Journalismus“ betreibe. Kritisch sieht er in diesem Zusammenhang, dass sich bei Mediterranes wenig negative Meldungen fänden und man sich mehr auf eine Darstellung der positiven Komponenten und Entwicklungen beschränke. Wenn auf Schwachstellen und Schwierigkeiten hingewiesen würde, so geschehe dies bei Mediterranes „eher in einem hanseatischen Jargon“. So würden sich die beiden Magazine nach Gerlachs Ansicht in ihren Ausrichtungen – wissenschaftliche Analyse einerseits und journalistische Hintergrunddarstellung andererseits – gut ergänzen und einen Zugewinn an Analyse und Hintergrundberichten zur Medienlandschaft bieten.
 
Mediterranes – Ein neues Magazin über die Nah- und Mittelostregion im deutschsprachigen Raum
Dr. Abdelmajid Layadi (Chefredakteur und EMA-Geschäftsführer)
 
Dr. Abdelmajid Layadi hob zu Beginn seiner Ausführungen hervor, dass Mediterranes ein Gemeinschaftsprojekt sei und von vielen Personen durch ihr persönliches aber auch finanzielles Engagement getragen würde. Von Anfang an sei der Grundgedanke auch gewesen, eine Zeitschrift zu gestalten, die einem akademischen Anspruch gerecht würde und zugleich die Zielgruppe der EMA, die sich aus dem Bereich der Wirtschaft, aber auch der Politik und den Universitäten zusammensetzt, in gleicher Weise zu interessieren und für die Themen zu gewinnen. Insofern hätten sowohl der zenith als auch die Zeitschrift Orient Vorbildcharakter für Mediterranes, da sie als Beispiele für die Kombination von akademisch fundierten Inhalten und einer Gestaltung, die ein breites Publikum anspricht, gelten könnten.

Freilich sei Mediterranes gerade deshalb besonders, da das Magazin die Berichterstattung über die EMA-Region und die relevanten Themen mit Informationen über die Arbeit der EMA sowie über die Aktivitäten von EMA-Mitgliedern und Partnerorganisationen kombiniere. Zudem biete das Heft die Möglichkeit, ein Netzwerk zu schaffen zwischen der Wirtschaft und Politik sowie Wissenschaftlern, Künstlern und Journalisten.

Offen sprach Dr. Layadi auch den Umstand an, dass Mediterranes wie andere große Bereiche der EMA-Arbeit sich bislang auf die ehrenamtliche Mitarbeit von vielen Einzelpersonen stützt und äußerte die Hoffnung, auch in Zukunft die Nachhaltigkeit des Magazins gewährleisten und die Kapazitäten der EMA und von Mediterranes aufrechterhalten zu können.
 
Diskussionsrunde
 
Auf die Frage der Moderatorin, Caroline Schmidt-Gross, inwieweit es noch zeitgemäß sei, ein Printmagazin herauszugeben, entgegnete Sabine Fawzy, Chef vom Dienst der EMA-Redaktion, dass zurzeit jede Ausgabe von Mediterranes online abrufbar sei und dort auch über die aktuellen Aktivitäten der EMA als Ganzes berichtet würde. Das Konzept von Mediterranes bestehe zunächst weniger darin, auf tagesaktuelle Ereignisse einzugehen als vielmehr ein Medium darzustellen, welches aufgrund seiner inhaltlichen Gestaltung und Qualität auch mittel- und langfristig zur Lektüre einlade und insofern nachhaltig wirke.
 
Prof. Steinbach warnte davor, in einem Magazin wie Mediterranes auf tagespolitische Ereignisse allzu starken Bezug zu nehmen oder sich gar politisch zu positionieren. Dies, so Steinbach, wäre „der sicherste Weg zum Selbstmord der Zeitschrift“. Es müsse vielmehr darum gehen, die Formulierung von Themenangeboten und ein Forum für Netzwerke zu bilden, die Wirtschaft und Kultur zugleich anspreche.
 
Auf die Frage aus dem Plenum, ob und inwieweit eine Übersetzung des auf deutsch erscheinenden Magazins ins Arabische geplant sei, um auch in dieser Hinsicht eine Brücke zu schlagen, antwortet Dr. Layadi, dass die Frage der Übersetzung sehr schwierig sei und große Kapazitäten erfordere, über die die EMA nicht verfügen könne. Der Weg sei derzeit vielmehr, dass Mediterranes auch arabische Autoren suche, deren Artikel dann ins Deutsche übersetzt würden. Prof. Steinbach und Daniel Gerlach pflichteten in der Skepsis der Umsetzbarkeit eines solchen Vorhabens bei, da sich neben der Übersetzbarkeit auch die Verteilung der Hefte ein großes Problem darstelle.
 
Der Vertrieb der Zeitschrift in der EMA-Region, so Dr. Layadi auf die Frage aus dem Plenum, solle zukünftig über die Botschaften, die Goethe-Institute und andere Sprachinstitute in den Ländern verlaufen. Die Kanäle hierzu müssten jedoch noch ausgebaut und gestärkt werden, auch um verstärkt arabische Autoren zu gewinnen.
 
Der Abschluss der angeregten Diskussion führte die Teilnehmer entlang der Frage möglicher weiterer Themen, wie etwa des „Islamic Banking“ und des Umweltschutzes und der erneuerbaren Energien und schloss mit der Aussage, dass der angestrebte Brückenbau des Magazins Mediterranes in der Darstellung von Themen, die in verschiedene Richtungen – über das Mittelmeer, aber auch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur – bestehen könne und solle.
 
Von Menno Preuschaft
 
Es ist der EMA ein Anliegen, kritische Themen anzusprechen und in konstruktiven Diskussionen zu beleuchten. Die in den Vorträgen sowie in den Diskussionen zum Ausdruck gebrachten Meinungen stimmen nicht zwangsläufig mit den Ansichten der EMA überein.