Hohe Ziele fördern die Motivation
Interview mit dem EMA-Präsidenten
Prof. Dr. Horst H. Siedentopf
Herr Professor Dr. Siedentopf, die Frage, die jedem neuen Mitglied und Unterstützer gestellt wird, möchte ich auch Ihnen stellen: Wie sind Sie zur EMA gekommen?
Prof. Dr. Horst H. Siedentopf: Durch Dr. Abdelmajid Layadi. Ich hatte ihn bei den Vorbereitungen zur Gründung der EMA kennen gelernt. Er erzählte mir von seinen Plänen und fragte mich, ob ich im Beirat Mitglied werden wolle. Ich fand die Idee gut und sagte zu, dem Verein zu helfen, soweit es mir möglich ist.
Auch auf indirektem Wege wurde ich auf die EMA aufmerksam, nämlich durch Professor Dr. Udo Steinbach. Professor Steinbach hatte ich als Honorarkonsul eingeladen, auf meiner Konsulatseröffnung zu sprechen.
Nun sind Sie EMA-Präsident…
Siedentopf: Ja, jetzt bin ich Präsident. Die Arbeit des EMA-Teams hat mich sehr beeindruckt. Man spürt seine Energie, Begeisterung und Motivation. Solch eine Arbeit muss unterstützt und gefördert werden, was ich nun als EMA-Präsident noch besser tun kann.
Sehen Sie nach einem Jahr EMA bereits Erfolge? Wie bewerten Sie die Entwicklung der EMA?
Siedentopf: Bisher ist die EMA einen sehr guten Weg gegangen. Der Verein hat sich viel vorgenommen. Die Ausrichtung der EMA auf Nordafrika, den arabischen Raum und den Islam finde ich sehr richtig. Sie hat schon eine Reihe interessanter Veranstaltungen durchgeführt und – was sehr wichtig für den Anfang ist – sie hat intensiv an ihrem Netzwerk gearbeitet - mit großem Erfolg.
Wie reagieren die Leute, wenn Sie ihnen die EMA vorstellen?
Siedentopf: Der Verein wird immer bekannter, es gibt viele interessierte Leute. Das Programm der EMA erscheint ehrgeizig - vielleicht zu ehrgeizig, wie manche meiner Gesprächspartner meinen. Doch ich sehe nicht, dass die EMA zurückhaltender agieren sollte. Bisher ist alles hervorragend gelaufen, trotz der starken Arbeitsbelastung.
Man soll sich hohe Ziele setzen, denn das bringt Motivation – und ein gesunder Ehrgeiz gehört eben auch dazu.
Inwieweit spielt bei der Arbeit der EMA der Standort Hamburg eine Rolle?
Siedentopf: Hamburg ist ein idealer Ausgangspunkt für die Beziehungen zum Mittelmeerraum und weltweit. Schon die Anzahl der Konsulate zeigt, wie aufgeschlossen Hamburg ist. Zurzeit gibt es hier über 100 Vertretungen anderer Staaten, vergleichbar mit New York oder Hongkong. Natürlich spielen Handel und Logistik hier eine sehr bedeutende Rolle und spiegeln die Weltoffenheit der Hansestadt wider. Aber auch die übrigen Cluster, wie Flugzeug- und Medizintechnik, Medien und IT, ein breites Dienstleistungsangebot von Medizinischer Versorgung über Maritimen Service zu Versicherungen sowie hochkarätige Kultur- und Sportveranstaltungen machen diese Stadt und seine Region sehr international. Wer sonst könnte das in Deutschland bieten? Die EMA verfügt also mit Hamburg über eine exzellente Basis, ihre internationalen Beziehungen ausbauen zu können.
Wo sehen Sie als neuer EMA-Präsident die Schwerpunkte der EMA?
Siedentopf: Als Länderverein sollte sich die EMA auf die wirtschaftlichen Beziehungen konzentrieren. Dafür gibt es einen reichen Fundus von Verbindungen, um den wirtschaftlichen Austausch zwischen den Mittelmeeranrainern, Europa und Deutschland vorteilhaft für alle zu gestalten. Wir sollten Entwicklungsprobleme durch Investitionen lösen, wobei ich betonen will, dass das in beiden Richtungen geschehen sollte. Ich sehe ein Beziehungsdreieck aus deutschem Know-how, Bedürfnisse der EMA-Länder und Finanzkraft der EMA-Länder.
Die kulturelle Seite ist wichtig für das gegenseitige Verständnis zwischen den Ländern und Kulturen. Geschäfte werden dadurch erleichtert. Ich betone aus Erfahrung immer wieder gern, dass Wirtschaft und Kultur Hand in Hand gehen müssen. Und diese Ergänzung der wirtschaftlichen Aktivitäten durch sozio-kulturelle Bemühungen möchte ich auch bei der EMA sehen.
Ist das ehrgeizige Konzept der EMA realisierbar?
Siedentopf: Ich bin fest davon überzeugt. Natürlich gibt es auch andere Player im Bereich wirtschaftlicher und kultureller Austausch mit Nordafrika und Naher Osten. Es gibt viele offene Fragen und das Aufgabengebiet ist gewaltig. Doch gerade da kann die EMA soviel Gutes bewirken, auch weil sie mit dem BDI (Bundesverband der deutschen Industrie – Red.), den AHKs (Außenhandelskammern – Red.), dem Hamburger Senat, der Handels- und der Handwerkskammer und anderen kooperieren wird beziehungsweise schon intensiv tut.
Zurzeit befindet sich der Verein noch in den Kinderschuhen. Wie sehen Sie seine Zukunft?
Siedentopf: Das erste Jahr der EMA war voller Energie – wenn das anhält, sehe ich die EMA in fünf Jahren als ein großes Rad im Getriebe der internationalen Zusammenarbeit. Dazu ist es wichtig, dass die Motivation bei den überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeitern erhalten bleibt. Es gibt viele Highlights, aber sie dürfen sich auch nicht – wie ich gerne sage – von den „Lowlights“, die zwangsläufig kommen werden, entmutigen lassen.
Wo sehen Sie Ihre Aufgaben, damit die EMA Erfolg hat und ihr „Rad“ größer wird?
Siedentopf: Ich bin bereit, meine Verbindungen, meinen Ruf sowie meine Erfahrungen einzubringen, die ich in über 30 Jahren leitender Tätigkeit in der Wirtschaft gesammelt habe. Zusätzlich kommen mir sicherlich auch meine positiven Erkenntnisse als Professor an der HAW (Hochschule für Angewandte Wissenschaft – Red.) Hamburg zugute. Dabei werde ich mich nicht so sehr ins Tagesgeschäft einmischen, sondern bin gern der Türöffner und Gesprächspartner. Als eine sehr wesentliche Aufgabe sehe ich, die EMA auf eine nachhaltig gesunde finanzielle Basis zu stellen. Ich möchte Spender und Förderer gewinnen, die bereit sind, die EMA langfristig zu unterstützen.
Was sind ihre nächsten, konkreten Schritte?
Siedentopf: Wir werden die Teilnehmer der Wirtschaftstage als potenzielle Sponsoren anschreiben und Ihnen anbieten, Mitglieder im Verein zu werden und unsere verschiedenen Angebote zu nutzen. Außerdem versuchen wir, die Öffentlichen Hände in Hamburg und Berlin als Unterstützer zu gewinnen. Auch werden wir EU-Gelder beantragen und bei der Union für das Mittelmeer um Förderung werben. Immerhin liegen wir genau in einem Haupttrend europäischer Politik.
Haben Sie bereits Erfahrungen mit anderen Vereinen?
Siedentopf: Ich habe den Theaterverein in Mülheim/Ruhr gegründet, war Präsident der Theodor-Wessels-Stiftung an der Kölner Universität und bin Mitglied in einer Reihe anderer Vereine. Ich weiß genau, wie schwer es ist, Spender und Förderer zu bekommen. Gerade in der gegenwärtigen Finanzkrise ist es nicht einfacher geworden.
Ich sehe jedoch keinen Grund zu Pessimismus! Und für die EMA - angesichts der Energie ihrer Mitarbeiter und der Relevanz ihrer Thematik - schon gar nicht!!
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Heike Hahn am 6. Oktober 2009.
