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Call for Papers EMA-Magazin "Mediterranes"

Das islamische Finanzwesen
Vorschläge erbeten bis 31. August 2010
Redaktionsschluss: 01. Oktober 2010

Die andauernde internationale Finanzkrise hatte ihren Ausgang in der US-Immobilienkrise im Jahre 2007. Intransparente und risikobehaftete Finanzgeschäfte, die zuvor noch als innovativ galten, sind nach Jahren hoher Renditeerträge in Verruf geraten. Eine extreme Risikobereitschaft sowie hochspekulative Finanzgeschäfte haben zur finanziellen Schieflage zahlreicher Unternehmen und ganzer Volkswirtschaften geführt.

Das islamische Finanzwesen ist vergleichsweise besser durch die Krise gekommen und erlebte in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom. Grundlage dieses besonderen Handels-, Vertrags- und Wirtschaftsrechts ist die Scharia, die mit ethischen und moralischen Vorgaben das islamische Handelsgeschehen dirigiert, so dass beispielsweise islamische Institute, im Gegensatz zu westlichen Banken, weder Zinsen zahlen noch einfordern.

Vor dem Hintergrund der Finanzkrise werden die Rufe nach einer neuen Wirtschaftsethik und der Entwicklung von fairen und transparenten Normen immer lauter. Im Spannungsfeld zwischen freien Finanzmärkten und staatlicher bzw. internationaler Regulierung suchen die Finanzakteure nach neuen Erfolgskonzepten. Scharia-konforme Anlageprodukte erscheinen da plötzlich vorbildlich.

Doch auch das „Islamic Banking“ bewegt sich in einem hochkomplexen Spannungsfeld. Den einen Pol bilden die weltweit rund 50 Scharia-Gelehrten, die mit nicht immer einheitlichem Ergebnis die Abläufe und Produkte von islamischen Banken überprüfen. Ihre Bewertung leitet sich aus der Scharia und ebenso aus übergeordneten religiösen Werten her. Nur nach ihrer Erlaubnis kann ein Finanzprodukt als rechtmäßig scharia-konform eingestuft werden. Den anderen Pol bilden die technischen „Pragmatiker“ im islamischen Bankengeschäft. Sie versuchen durch geschickte Verträge, die strengen Vorgaben der Gelehrten zu umgehen. So werden die verbotenen direkten Zinsen beispielsweise in indirekte, versteckt in Ratenzahlungen, umgewandelt. Zwischen beiden Vertretern desselben Systems gähnt ein tiefer Abgrund.

In dieses sensible Gebiet begibt sich die EMA mit der 5. Ausgabe ihres Magazins „Mediterranes“. Unter dem übergreifenden Thema „Das islamische Finanzwesen“ möchten wir fundierte Einblicke aus Sicht der arabischen Beteiligten in Historie und Gegenwart bieten. Ebenso soll die europäische Frage diskutiert werden, inwieweit diese besondere Handels- und Finanztradition für hiesige Institute Strategien eröffnet, neue Produkte zu entwickeln und zu vermarkten. Auch möchten wir herausfinden, ob durch euro-mediterrane Kooperationen und Konzepte das verloren gegangene Vertrauen der Anleger in das internationale Finanzsystem wiedererlangt werden kann.  

Die EMA bietet Expertinnen und Experten aus Theorie und Praxis ein Forum für eine fundierte und kritische Auseinandersetzung mit dem Thema „Das islamische Finanzwesen“. Dabei ist die differenzierte Betrachtung der unterschiedlichen Systeme einerseits sowie die Erarbeitung und Strukturierung innovativer Konzepte andererseits von besonderem Interesse.

Anmeldungen von Beiträgen mit Angabe von Titel und einem kurzen Curriculum Vitae werden bis 31. August 2010 per E-Mail erbeten (mediterranes(at)ema-germany.org). Die Artikel sollten zwischen 4.000 und 10.000 Zeichen umfassen und sich an eine breite Leserschaft wenden. Eingereicht werden können (Foto-) Reportagen, Hintergrundanalysen, Essays, Interviews, Rezensionen, Diskussions- und Symposiumsbeiträge. Begleitendes Bildmaterial ist sehr willkommen. Siehe hierzu auch die Autoreninformationen auf unsere Homepage: http://ema-hamburg.org/pages/de/mediterranes/autoreninformationen.php

Wir bitten alle Empfängerinnen und Empfänger, das Call for Papers an mögliche Interessenten weiterzuleiten.

Ihre Mediterranes Redaktion

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